EROBERUNG VON WIEN
Eine Performance von WAKALIWOOD (Kampala/Uganda) und UNKOORDINIERTE BEWEGUNG (Hamburg/Berlin/Deutschland)

Premiere: Kampnagel K1, Frühjahr 2021// Internationale Koproduktion zwischen Hamburg, Berlin, Wien, Krakau und Istanbul

300.000 bis an die Zähne bewaffnete Türken sitzen vor der Stadtmauer, der letzen Festung Europas, dem „goldenen Apfel“: Wien. Belgrad ist bereits gefallen und auch Budapest und lange schon Byzanz. Wien ist die einzige und letzte Bastion, die die Türken davon abhält Rom und damit das Zentrum der christlichen Welt zu erobern… Das Publikum sitzt in einer Black-Box, und nachdem der Gong drei Mal geschlagen hat und sich die Ruhe vor dem Spiel eingestellt hat, öffnet sich der schwarze Vorhang zu einem Seitenblick in das Heeresgeschichtliche Museum von Wien, 1. Stock links, 17. Jahrhundert… Ein Kind läuft an der Hand seiner Mutter teils schockiert, teils voller Verwunderung und Träumen in den Augen durch eine grauenvolle Ausstellung von Waffen aus der alten Zeit. Von rechts nach links betreten sie den Raum, bis der Junge sich vor einer 2,5 Meter hohen Vitrine, die wir nur von der Seite sehen, auf den Boden fallen lässt. Riesige Wappen des alten Österreich überwölben den dunklen Saal. Der Kerzenschein lässt die Lampen in der Vitrine heller leuchten und das Gesicht des Kindes nimmt blass und matt das weiße Licht auf. Staunend schaut er zurück zu seiner Mutter und ein Fragen liegt in seinen Augen. „Das“, sagt seine Mutter, „ist eine Doppelaxt.“ Verwundert, verängstigt, aber auch ein wenig verzaubert lässt der Junge seinen Blick über die Waffensammlung gleiten. Nun umschreiten beide dieses Monument von Vitrine, laufen an den in den Außenseiten aufgestellten Kriegern vorbei, um auf der anderen Seite anzukommen. Ein riesiges Gemälde erzählt von dem Schlachtengetümmel vor Wien. Der auf dem Gemälde wie ein Heiliger erscheinende polnische König Sobietzki mit seinem Entsatzungsheer von Rittern und Adligen fällt mit gezogenen Schwertern in die unvorbereiteten, mit Affengesichtern gezeichnete Türkenarmee ein. Wieder fliegt der Blick des Jungen ruhig, aber auch verstört und verängstigt über dieses angestrahlte Wiener Grauen. Seine Mutter erklärt ihm: „Die Türken sehen nicht so aus wie Tiere. Aber ein Sieger wird immer seinen Feind schlecht und hässlich machen, um ihn zu erniedrigen.“ Die Mutter nimmt ihren Sohn wieder an der Hand und beide verschwinden in der Dunkelheit.